1. Allgemein
  2. Wirkung
  3. Einsatz in der Medizin
  4. Sedativum
  5. CBN und CBD
  6. Geschichte
  7. Quellen

Allgemein

Wer sich schon einmal mit den vielfältigen Inhaltsstoffen der Cannabispflanze beschäftigt hat, ist mit Sicherheit das ein oder andere Mal über den Begriff Cannabinol gestoßen. Cannabinol, oder kurz CBN, ist der Name eines weiteren Phytocannabinoids, das im Gegensatz zu seinen artverwandten Kollegen eine große Besonderheit aufweist. Denn obwohl es seine Wurzeln innerhalb der Cannabispflanze findet, wird es nicht dort gebildet.

CBN entsteht im Alterungsprozess und durch äußere Oxidations- Wirkungen vom psychoaktiven Cannbinoid „Tetrahydrocannabinol“, kurz THC. Die Aussetzung von Sauerstoff oder Einwirkung von Hitze und Lichtstrahlen, fördert bei dem Prozess den Abbau des psychoaktiven Effekts. Je weniger THC vorhanden ist, desto höher steigt demnach der Gehalt an CBN. Aus diesem Grund lässt sich Cannabinol in frischen Cannabispflanzen auch nur in äußerst geringen Mengen finden.

Wie andere Cannbinoide auch, ist CBN nicht wasserlöslich, sondern fettlöslich und gilt ebenfalls als liposolubles Molekül. Es weist geringe psychoaktive Wirkungen auf und eine geschwächte Bindungskraft an CB1-Rezeptoren. Strukturell passt CBN zu den Dockingstationen unserer CB2-Rezeptoren. Wie genau CBN letztlich an den CB2-Rezeptor wirkt, wird jedoch immer noch in verschiedenen Studien getestet.

CBN unterliegt in Deutschland nicht dem deutschen Betäubungsmittel-Gesetz, sofern es nicht für Rauschzwecke von der Cannabispflanze gewonnen wird. Auch in dem von der UNO verfassten „Einheits-Übereinkommen vom 30. März 1961 über Suchtstoffe“[1][1]und der „Konvention über psychotrope Substanzen“ findet sich CBN nicht wieder. Das macht CBN besonders für medizinische Zwecke zu einem legalen Präparat.

Wirkung

Genau wie bei seinem Artverwandten THC, ist die Dosierung von CBN entscheidend für seine Wirkungsweisen. Das erklärt auch, warum CBN, ein direkter Nachfolger des wohl bekanntesten Phytocannabinoids THC, sich mit diesem in seiner Wirkungsweise nur schwer vergleichen lässt. So kann es bei einer Einnahme von CBN in hohen Konzentrationen vermehrt zu Gefühlen wie Abgeschlagenheit kommen. Dieses Phänomen widerspricht den Erkenntnissen einer Studie, die bei Probanten eine Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten durch die Einnahme von Cannabis feststellen konnten (1LINK). Damit lässt sich vermuten, dass CBN als Antagonist zu Cannabinoiden wie THC arbeitet. Einen wichtigen Beitrag leisten dabei beide CB-Rezeptoren, die sich die Wirkung vieler Cannabinoide gerne zu Eigen machen. 

Da CBN eine bessere Verbindung zu den Bindungsstellen der CB2-Rezeptoren zu haben scheint, kann man weitere Schlussfolgerungen über mögliche Einsatzgebiete aufstellen. Denn diese Rezeptoren befinden sich hauptsächlich im Immunsystem und sind wichtige Komponenten bei der Behandlung von neuropathischen Krankheitsbildern sowie von entzündlichen Schmerzen, neuronalen und neurodegenerativen Erkrankungen. 

In Kombination mit anderen Cannabinoiden wird CBN ein appetitanregender Effekt nachgesagt.

Weitere Wirkungsweisen sind:

  • Sedativ
  • Analgetisch
  • Antibakteriell
  • Entzündungshemmend 
  • Krampflösend 
  • Schlaffördernd 

Eine mögliche antidepressive Wirkung wurde ebenfalls mit CBN getestet, konnte jedoch nicht nachgewiesen werden.

Phytocannabinoid-Studien sind weiterhin laufende Prozesse, die stets neue und überarbeitete Ergebnisse liefern. Da besonders ein medizinischer Nutzen bei der Einnahme von CBN möglich sein könnte, wird natürlich auch an diesem Phytocannabinoid immer noch geforscht.

Einsatz in der Medizin

Obwohl viele Cannabinoide in ihrer Wirkung Überschneidungen und Ähnlichkeiten aufweisen, bleibt am Ende jedes Einzigartig und bietet im medizinischen Einsatz immer wieder neue Therapie- und Behandlungsmöglichkeiten, um Heilungsprozesse effektiv und oft auch nachhaltig zu unterstützen. Die Oxidationsprozesse, die aus Tetrahydrocannabinol das „neue“ Cannabinoid CBN entstehen lassen, sorgen durch ein geändertes chemisches Profil der Blüte für ebendiese wichtige Veränderung der therapeutischen Eigenschaften.

Sedativum

Sedativa entfalten bei Patienten eine beruhigende und angstlösende Wirkung. Gleichzeitig sind sie häufig aktivitätsdämpfend, schlaffördernd, lösen Krämpfe und entspannen die Muskeln. Therapeutischen Einsatz finden Sedativa bei Menschen mit schwerer innerer Unruhe, Traumata oder Angstzuständen.

Im Internet liest man oft, dass CBN als sedatives Medikament eingesetzt werden könne. Dazu werden Studien zitiert, die bei Cannabinol eine abdämpfende und beruhigende Wirkung festgestellt haben sollen. In diesem Zusammenhang wird Cannabinol gerne auf eine Stufe mit dem bekannten Beruhigungsmittel Diazepam gestellt. Doch fundierte Belege lassen sich dafür kaum finden: 

Die vermeintlich sedierende Wirkung von CBN kann man wohl als seine berühmteste bezeichnen. Viele Studien gibt es allerdings nicht, die diese These bedingungslos unterstützen. 

Das kann zum einen daran liegen, dass viele Studien und wissenschaftliche Arbeiten zu der Cannabispflanze nach den siebziger und achtziger Jahren durch kollektive Prohibitions- Maßnahmen jahrzehntelang zum Stillstand kamen. Die Forschung ist immer noch damit beschäftigt, die fehlende Zeit aufzuholen und das Wissen der vielseitigen Cannabispflanze zu sammeln. Ein anderer Grund könnte sich in der freien Interpretation einer Studie liegen, die Effekte nach der Einnahme von CBN bei gerade einmal fünf männlichen Teilnehmern getestet hat.[2]

Bereits 1975 wurde CBN in verschiedenen Dosierungen (0 mg bis 50 mg) bei oraler Einnahme in Kombination mit 25 mg des Cannabinoids THC untersucht. Das Cannabinol schien die Wirkung von THC bei den Probanten zu modifizieren. Die fünf Männer fühlten sich bei der Kombi-Einnahme benommener, schläfriger und bekamen das Gefühl, die Wirkung der „Droge“ sei stärker wahrnehmbar, im Vergleich zu der Wirkung von THC allein. Abschließend konnte zwar gesagt werden, dass CBN die THC-Wirkung in einigen Prozessen zu verstärken schien, diese allerdings in geringem Rahmen gehalten werden. Ein sedativer Effekt des Cannabinoids bei alleiniger Anwendung wurde bei dieser Studie nicht spezifisch getestet oder festgestellt. Es ist also möglich, dass CBN letztlich nur als Booster für die THC-Eigenschaften gedient hat.

Auch Tierstudien haben sich schon früh mit dem Thema beschäftigt und zeigten motorische Einschränkungen bei Hunden ab einer Zugabe von 12 mg des Cannabinoids CBN pro Körpergewicht oder mehr.[3] Eine gedämpfte Funktion im zentralen Nervensystems beim Menschen konnte jedoch auch hier nicht nachgewiesen werden.

Ein weiterer Grund für die Annahme, CBN könne sedierende Effekte beim Menschen entfalten, könnte in den Beobachtungen zur Wirkungsweise von gereiften Cannabispflanzen liegen. Diese besitzen, wie bereits oben beschrieben, einen höheren Anteil an CBN und weisen dabei eine gestiegene sedierende Wirkung auf. Die entscheidende Frage ob und wenn ja, wie genau sich dieses Phänomen allerdings einzig und allein auf Cannabinol zurückführen lässt, hat die Wissenschaft allerdings noch nicht abschließend klären können.

Analgetikum

Analgetika sind schmerzstillende, pharmazeutische Mittel. Unterschieden wird hierbei zwischen opioiden und nichtopioden Schmerzmitteln, da beide Gruppen unterschiedliche Wirkmechanismen aufweisen.

Nichtopioide Schmerzmittel greifen in ein ganz bestimmtes Enzym, nämlich das COX-Enzym, ein und blockieren dort die weitere Herstellung von Prostaglandins. Dieses Lokal- Hormon spielt eine entscheidende Rolle bei lokalen Schmerzsyndromen.

Cannabisbasierte Schmerzmittel binden an die Cannabinoid-Rezeptoren an, die sich in unserem zentralen Nervensystem befinden. Von dort können sie über das Endocannabinoid-System schmerzlindernd wirken und unsere körpereigenen Cannabinoide in ihrer Arbeit unterstützen. Sogar ein chronisches Schmerzempfinden kann durch eine Einwirkung auf die Rezeptoren gelindert werden.Der Vorteil bei Medikamenten die auf Cannabis basieren und zur Schmerzlinderung dienen, liegt unter anderem in der Möglichkeit, durch genaue Therapie- und Dosierungseinhaltungen beim Patienten einen konstanten Blutspiegel halten zu können.

Einer Studie aus dem Jahr 2002 zufolge, kann CBN Schmerzen lindern, indem es Endorphine freisetzt.[4] Diese Wirkung zeigt auch THC. Möglich ist sie, dank des Schmerz-Kontroll-Zentrums innerhalb des Endocannabinoid-Systems.

Antibakteriell und entzündungshemmend

Dass mehrere Phytocannabinoide eine antibakterielle Wirkung besitzen, ist schon seit vielen Jahrzehnten bekannt. Bereits in den 1950er Jahren wurden die pflanzlichen Cannabinoide zur Behandlung von mikrobiellen Infektions- Krankheiten, wie beispielsweise Tuberkulose, eingesetzt. Doch auch zuvor gab es bereits in Indien erste Behandlungsversuche mit Cannabis bei Tuberkulose- Erkrankungen, die sich auf das Ende des 19. Jahrhunderts datieren lassen.

Vermutet wird, dass die hohe Konzentration an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, die sich vor allem im Öl der Hanfsamen befinden, einen essenziellen Teil dazu beiträgt. Denn der menschliche Körper kann diese Fettsäuren nicht eigenständig produzieren und ist darauf angewiesen, dass wir sie über die Nahrung aufnehmen. Zusätzlich liefern Hanfsamen die ideale Menge (3 – 4 : 1 Balance) an bestimmten Omega-Fettsäuren, die der Körper im Normalfall benötigt. Genau diese Fettsäuren, Omega-3 und Omega-6, benötigt der Körper bei Entzündungskrankheiten, da sie an der Regulierung der Entzündungsprozesse mitwirken.

Cannabinol werden also die optimalen Voraussetzungen mitgegeben, um ebenfalls antibakterielle Eigenschaften aufzuweisen. Und tatsächlich: das noch relativ unbekannte Cannabinoid zeigte, neben vier weiteren getesteten Phytocannabinoiden, in einer wissenschaftlichen Studie aus dem Jahr 2005 vielversprechende Ergebnisse bei Untersuchungen rund um die sogenannten MRSA-Keime – besonders gefährliche multiresistente und Antibiotika-resistente Krankenhauskeime.[5] Diese sogenannten Superbugs, tauchen vorwiegend in Krankenhäusern und Seniorenzentren auf und könnten laut einer Analyse der OECD bis zum Jahr 2050 über 2,4 Millionen Menschen weltweit das Leben kosten. Eine Behandlung gestaltet sich schwierig, da die Keime nach dem Kontakt mit Antibiotika ihr Erbgut schlagartig verändern können. Die geschätzten Behandlungskosten befinden sich in Milliardenhöhe und belaufen sich beim Kampf gegen die resistenten Keime demnach auf zehn Prozent des gesamten Budgets bei Behandlungen von ansteckenden Erkrankungen. 

Deshalb haben mehrere Wissenschaftler aus London, Rovigo und Novara in Italien, in diversen Laboruntersuchungen herausgefunden, dass Phytocannabinoide gegen solche hyperresistenten Keime effektive Wirkungen aufweisen. CBN wurde dabei mit den Phytocannabinoiden Tetrahydrocannabinol (THC), Cannabigerol (CBG), Cannabidiol (CBD), Cannabichromen, sprich CBC, als besonders wirksam eingestuft.[6]

Besonders bei den Bakterien, die eine Resistenz gegen das Antibiotikum Penicillin gebildet hatten, zeigte CBN mitsamt den weiteren vier getesteten Cannabinoiden die größten Erfolge.

Obwohl auch diese Studie erfolgversprechende Aussichten im Kampf gegen die gefährlichen Krankenhaus- Keime liefert, befindet sich der aktuelle Forschungsstand weiterhin in seinen Kinderschuhen. Momentan ist es auch noch ungewiss, auf welche Weise CBN die gefährlichen MRSA-Keime tatsächlich abtötet.

Krampflösend

Dass Cannabinoide wahre Multitalente geht, wenn es um Aktionen im Endocannabinoid-System geht, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Wenig überraschend ist es deshalb, dass Cannabinol auch bei Krämpfen noch ein Ass im Ärmel hat. Im Januar 1974 wurde ein Artikel über eine Studie in „Life Science“ veröffentlicht, die von Test an Tieren berichtete.[7]

Die Wissenschaftler setzten Mäuse maximalen Elektroschocks aus, um den direkten Effekt der drei pflanzlichen Cannabinoide Tetrahydrocannabinol (THC), Cannabinoid (CBD) und Cannabinol (CBN) zu untersuchen. Die Aufnahme erfolgte unter anderem als Kochsalzlösung. Und in der Tat wiesen alle drei getesteten Phytocannabinoide eine antikonvulsive Wirkung auf. Die maximale Wirkungsdauer betrug ca. zwei Stunden und Cannabinol zeigte von allen dreien die passivsten Ergebnisse.

CBN und CBD

Cannabinol und Cannabidiol besitzen zwar Gemeinsamkeiten, dennoch unterscheiden sie sich maßgeblich in ihren Wirkungsweisen. Beide Phytocannabinoide wirken angstlösend, entspannend und sogar anti-epileptisch. Während CBD beim Konsumenten keine psychoaktive Wirkung hervorruft, besitzt CBN diese immerhin in sehr geringen Maßen. Außerdem zeigen die beiden Unterschiede in ihren chemischen Strukturen. Identisch sind sie also ganz und gar nicht. Besonders bei der Arbeit im Endocannabinoid-System scheuen sie sich nicht, diese Differenzen zur Schau zu stellen. CBD wirkt kaum an den CB1- und CB2-Rezeptoren unseres Immun- und Nervensystems. Stattdessen arbeitet das Phytocannabinoid daran, physiologische Körperfunktionen im Gleichgewicht zu halten (Hommöostase). CBN hingegen zeigt schwache Affinitäten zu beiden Rezeptoren.

Geschichte

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts konnte Cannabinol, übrigens als erstes Phytocannabinoid überhaupt, von der Cannabispflanze isoliert werden. Der britische Chemiker Robert Sidney Cahn und späterer Herausgeber der Fachzeitschrift „Journal of the Chemical Society“, hat in den dreißiger Jahren die Struktur des Cannabinoids untersucht und es dauerte nicht lange, bis eine erste chemische Synthese in Laboren der USA und Großbritannien folgte.

Im Jahr 1963 hat der Cannabispionier und israelische Hochschullehrer für Naturstoffe und pharmazeutische Chemie, Dr. Raphael Mechoulam, die erste Entdeckung zu unterschiedlichen Wirkungsweisen der vielzähligen Phytocannabinoide gemacht. Diese Erkenntnis legte den Grundstein für wichtige und bis heute andauernde Studien rund um die Cannabis-Pflanze.

Nachdem im Jahr 1978 in New Mexico erstmals ein Gesetz erlassen wurde, das der Forschung mit kontrollierten Substanzen zu therapeutischen Zwecken diente, gelang kurze Zeit später, schon in den achtziger Jahren, Raphael Mechoulam ein weiterer Durchbruch in seiner wissenschaftlichen Arbeit. An Probanden testete er die mildernde Wirkung von CBD bei epileptischen Anfällen.[8] Eine Analyse der klinischen Tests nach vier Monaten zeigte, dass die Hälfte der Probanden eine deutliche Senkung der Anfalls- Häufigkeit verzeichnen konnten, während die andere Hälfte sogar ganz ohne epileptische Anfälle blieb. Damit bestätigte Dr. Mechoulam, dass das Cannabinoid CBD als Hypnotikum für medizinische und therapeutische Behandlungen eingesetzt werden konnte.

Quellen

[1] https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19610057/index.html

[2] https://www.karger.com/Article/Abstract/136944

[3] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7029731

[4] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2503660

[5] https://pubs.acs.org/doi/10.1021/np8002673

[6] https://www.worldcat.org/title/cannabis-health-index-combining-the-science-of-medical-marijuana-with-mindfulness-techniques-to-heal-100-chronic-symptoms-and-diseases/

[7] https://www.researchgate.net/publication/18399501_The_anticonvulsant_activity_of_cannabidiol_and_cannabinol

[8] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/7413719