1. Allgemeines
  2. Wirkung
  3. CBDV in der Medizin
  4. Autismus
  5. Nebenwirkung: DNS-Schädigungen
  6. CBDV und Endocannabinoide

Allgemeines

In seiner Molekülstruktur weist das Cannabinoid Cannabidivarin, kurz CBDV, Ähnlichkeiten mit seinem Verwandten CBD auf. Beide teilen sich eine Herkunftslinie und ähneln sich tatsächlich sogar in manchen Wirkungsweisen.

Auch CBDV ist ein nicht psychoaktives Phytocannabinoid. Man findet es in hohen Konzentrationen in Landrassen-Pflanzen der Cannabis indica aus Nordwest-Indien und Nepal.

Auffallend ist beim Vorkommen von höheren CBDV-Gehalten, dass diese Pflanzen zumeist mit einem niedrigen THC-Gehalt einhergehen.

Entstehen kann CBDV durch CBGVA, sprich Cannabigevarin-Säure. Dieses Cannabinoid reagiert auf ein Enzym von CBDA und wandelt sich schließlich in Cannabidivarinsäure (CBDVA) um. Durch zugeführte Hitze kann sich die immer noch enthaltene Säure letztlich lösen, um Cannabidivarin, also CBDV, als Endprodukt zu erhalten.

Damit endet die Kette jedoch noch nicht. Bei sauren Bedingungen ändert sich die Atomanordnung, das Molekül wird also umgewandelt und aus CBDV entsteht das Nachfolger-Cannabinoid THCV.

Bislang zählte CBDV zu den unbekannteren Phytocannabinoiden der Cannabis-Pflanze. Verschiedene Forschungen der letzten Jahre könnten dies jedoch ändern. Denn CBDV wird immer häufiger in Verbindung mit Therapien von Epilepsie-Patienten gebracht und als alternative antikonvulsive Medizin genannt.

Einen umfangreichen Aufschluss über das volle medizinische Potenzial lassen diese ersten Studien trotz allem noch nicht zu.

Einen Nachteil besitzt CBDV dann aber doch. Im Gegensatz zu vielen anderen Phytocannabinoiden, ist Cannabidivarin nur mit sehr geringer Wasserlöslichkeit ausgestattet. Das bedeutet, dass es dem Körper nicht leicht fällt, das pflanzliche Cannabinoid aufzunehmen und effektiv zu wirken, bevor es von verschiedenen Enzymen des Verdauungstrakts zerstört werden kann. Nach oraler Aufnahme schafft nur ein einstelliger Prozentanteil seinen Weg in den Blutkreislauf.

Liposomen könnten mit ihren doppelschichtigen Membranhüllen aus Molekülen bei diesem Problem helfen. Sie umschließen das Cannabinoid, schützen vor einer zerstörenden Wirkung der Enzyme und helfen dem Körper, CBDV nicht vorzeitig wieder auszuscheiden.

Wirkung

Die meisten Phytocannabinoide können Zellen durch Rezeptorenbindungen im Endocannabinoid-System beeinflussen. Dieses Endocannabinoid-System, kurz ESC, konnte zwar erst 1992 dank neugewonnener Erkenntnisse der näheren Erforschung von Cannabispflanzen entdeckt, isoliert und schließlich nachgewiesen werden.[1] Doch gelang es Forschern seitdem, die Strukturen des ESC immer besser verstehen zu können.

Endocannabinoide sind unsere vom Körper selbst produzierten Botenstoffe, sprich körpereigene Substanzen mit Cannabis-ähnlichen Wirkungsweisen im menschlichen Organismus. Man findet sie bei der Regulierung von Nervenzellen des Gehirns und Rückenmarks sowie auf Zellen anderer Organe, wie beispielsweise dem Herz. Ihre Aufgabe besteht auch in der Aufrechterhaltung der Homöostase.

Wie Endocannabinoide, können auch Phytocannabinoide im endogenen Cannabinoid-System an entsprechende Rezeptoren andocken. CBDV stellt dabei jedoch eine große, ganz spezielle Ausnahme dar.

Die Besonderheit: Das Phytocannabinoid erzielt seine Wirkungen gänzlich ohne ein Andocken an die CB-Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems. Als eines der wenigen Cannabinoide aus der Cannabis-Pflanze scheint es sich weder an die CB1- und CB2-Rezeptoren binden zu wollen, noch hebt es deren Wirkung auf oder blockiert sie gar.

Stattdessen bahnt es sich den Weg über unsere zellularen Ionenkanäle, sogenannte TRP-Kanäle, welche beim Menschen für diverse Wahrnehmungen eine große Rolle spielen. Dazu gehört, dass es uns möglich ist, verschiedene Geschmäcker wie süß, sauer, bitter und umami zu unterscheiden, Temperaturunterschiede wahrzunehmen oder gar Schmerz zu empfinden. Andere Lebewesen scheinen TRP-Kanäle wiederum zu benötigen, um sehen zu können.

Es gibt weitere Hinweise, dass sich die therapeutische Wirkung von CBDV zumindest teilweise über GABA-Rezeptoren, Transmembranproteinen in den Nervenzellen, entfalten kann. An diesen Rezeptoren bindet sich in der Regel y-Aminobuttersäure, auch GABA genannt, um seine hemmende Wirkung auf die Nervenzellen zu verteilen.

GABA wirkt, genau wie CBDV, ebenfalls antikonvulsiv. Außerdem kann der Botenstoff den Blutdruck stabilisieren und besitzt analgetische, entspannende und schlaffördernde Effekte.

Weil diverse Krankheitsbilder mit gestörten Neurotransmitter-Netzwerken einen viel zu niedrigen GABA-Wert aufzeigen, bringen Wissenschaftler auch hier passende Cannabinoide wie CBDV ins Spiel. Zu den neurologischen Krankheiten können beispielsweise Epilepsie, Depression oder auch Schizophrenie gehören. Ein einhergehendes chronisches Schmerzempfinden könnte in Zukunft womöglich ebenfalls durch die Wirkung des Cannabis-Cannabinoids positiv verändert werden. 

Bereits Ende der sechziger Jahre wurde bei CBDV eine antiepileptische und antikonvulsive, also eine krampflösende Wirkung festgestellt. Nicht zuletzt wirft auch dieser Effekt das CBDV in den Topf für mögliche, neue Arzneimittel für eine Reihe diverse Krankheitsbilder.

CBDV in der Medizin

Als eines von über hundert bereits identifizierten Cannabinoiden, geht CBDV häufig und unfairerweise in der Masse etwas unter. Und das, obwohl es eine ganze Palette wichtiger Eigenschaften mitbringt, die vor allem für die Innere Medizin, genauer gesagt für die Neurologie von Interesse sind.

Wie bereits beschrieben, befindet sich die GABA-Konzentration bei Betroffenen mit neurologischen Störungen häufig tief im Keller. Zu den Betroffenen gehören zum Beispiel auch Epilepsie-Patienten. Für ebendiese sind Folgen des Aminobuttersäure-Mangels vielseitig.  Heißhunger-Attacken auf gesüßte Speisen und zuckerreiche Getränke, ein aufkommendes, tinitusartiges Ohrenpfeifen, Schweißausbrüche in Ruhemomenten oder eine veränderte Wahrnehmung und Störung beim Geruchssinn gehören ebenso dazu, wie Angstattacken, innere Unruhe, Hyperventilation oder gar epileptische Anfälle.

Übrigens können auch Diabetiker unter einem GABA-Mangel leiden. Die Folge ist eine Überproduktion von Glukagon, dem chemischen Teils der Aminobuttersäure. Ob CBDV diesen Prozess ausbalancieren oder gar regulieren kann, ist von Wissenschaftlern noch nicht endgültig geklärt worden.

Zentrales Antikonvulsivum bei Epilepsie

Die Verbindung von CBDV und neurologischen Erkrankungen die zu epileptischen Anfällen führen können, haben Wissenschaftler über die TRP-Kanäle schlagen können. Genauer gesagt liegt der Fokus auf TRPV1, einer der größten Gruppe unter den TRP-Kanälen. TRPV1-Sensoren sind die visuelle und auditive Wahrnehmung und die Umwandlung von chemischen Signalen in elektrische Signale zuständig. Durch eine Überreizung der TRPV-Anzeige kann die Weiterleitung der Signale nicht mehr kontrolliert werden, was zu epileptischen Anfällen führen kann.

Eine Endocannabinoid-Forschungsgruppe aus Italien hat deshalb nicht-psychotrope, pflanzliche Cannabinoide wie CBDV auf eine desensibilisierende und aktivierende Wirkung bei TRPV1-Kanälen untersucht.[2]

Weil Epilepsie außerdem die häufigste neurologische Krankheit mit weltweit circa fünfzig Millionen Betroffenen darstellt und eine Veränderung der Strukturen von TRP-Kanälen mit neurodegenerativen Krankheitsbildern verbunden wird, findet die Studie besondere Aufmerksamkeit.

CBDV ist in der Lage, genau wie Cannabidiol (CBD), beim Menschen krampflösende Effekte zu erzielen. Außerdem lieferten die Cannabinoide in verschiedenen Tests hinweise darauf, einen Anstieg von Kalzium innerhalb der Zellen bewirken zu können.

Je nach Dosierung ist es CBDV sogar möglich, mehrere TRP-Kanäle zu aktivieren und zu desensibilisieren. Dazu gehört auch TRPV1 und gewisse Kanäle der Unterfamilie V-Typ-2 (TRPV2) sowie A-Typ-1 (TRPA1).

Diese Desensibilisierung führt zu einer Beruhigung der angesprochenen Kanäle und dem ausbalancieren der natürlichen Homöostase. Damit weisen CBDV als auch CBD einen antiepileptischen Effekt auf, welcher über die TRP-Kanäle wirken kann. Zusätzlich konnte mit großer Sicherheit von den Wissenschaftlern eine Desensibilisierung im Hippocampus-Gewebe beobachtet werden.

Für nähere Erkenntnisse und die genauen Wirkungsweisen von CBDV in TRP-Kanälen bei Epilepsie-Patienten bedarf es allerdings noch weitere Modellversuche.

Auch die University of Reading, England, hat durch Studien belegen können, dass Cannabinoide für die Behandlung von Epilepsie-Patienten mit Cannabinoiden erfolgversprechende Wirkungen zeigen.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass CBDV das Potenzial aufweist, die Häufigkeit von epileptischen Anfällen zu reduzieren, ohne Nebenwirkungen wie unkontrolliertes Zittern bei den Betroffenen hervorzurufen.[3] Damit belegt ein weiteres Forscherteam, dass das pflanzliche Cannabinoid herkömmlichen Antiepileptika in diesem Punkt weit überlegen ist.

Appetitzügler

Cannabis-Konsumenten können ein Lied davon singen, welche aufsteigenden Hungergefühle durch den Konsum im Körper hervorgerufen werden. Für diesen Effekt sind aber nicht alle Cannabinoide verantwortlich. Besonders in isolierter, reiner Form verhalten sich viele Cannabinoide in diesem Feld ganz anders. CBDV ist eines davon.

Im Jahr 2012 wurde eine Studie durchgeführt, die verschiedene Anti-Adipositas-Medikamente durchleuchtete und einen Überblick über ihre Sicherheit und Wirkungsweise gab.

Auch hier kann die Medizin von einem weitaus geringerem Prozentsatz an unerwünschten Nebenwirkung bei Cannabis-Medikamenten profitieren. Viele eingesetzte Medikamente unterdrücken zwar bereits das Hungergefühl, um Diabetes- oder auch Adipositas-Patienten bei der Regulierung des Sättigungsgefühls behilflich zu sein.  Doch wird einigen nachgesagt, schwere Nebenwirkungen wie gar Depressionen hervorrufen zu können, nicht zuletzt, weil die Lebensqualität und ein allgemeines Wohlbefinden durch diverse Begleiterscheinungen wie Bluthochdruck, Herzrasen, Unausgeglichenheit und Anspannung sowie ein gestörtes Schlafverhalten, schnell und stark beeinträchtigt werden können.

ÜBELKEIT

Auch bei Übelkeit und Erbrechen zeigt CBDV eine Wirkung. Dieser Effekt kann sogar bei Patienten beobachtet werden, die aufgrund einer Chemotherapie unter anhaltender Übelkeit leiden.

Eine solche Wirksamkeit wurde bereits seit längerer Zeit vermutet und konnte im Jahr 2013 durch eine Studie sogar nachgewiesen werden. Wissenschaftler vom kannadische Department of Psychology and Neuroscience Graduate Program der staatlichen Universität von Guelph haben an Ratten getestet, welches Potenzial Tetrahydrocannabivarin, kurz THCV, und CBDV bei Übelkeit aufweisen können.[4]

Warum CBDV wirkt, lässt sich einfach erklären. Gewisse CB1-Rezeptoren im Gehirn befinden sich in den Zentren, welche für Übelkeitsgefühle und schließlich auch Erbrechen, verantwortlich gemacht werden können. Cannabinoide interagieren mit diesen CB1-Rezeptoren und bewirken schließlich einen antiemetischen Effekt.

Zu der gleichen Schlussfolgerung kam auch die Studie. Beide getesteten Cannabinoide, CBDV als auch THCV, lieferten den Wissenschaftlern Hinweise darauf, ein therapeutisches Potenzial zu besitzen, welches Übelkeit signifikant reduzieren könnte.

Auch Ionenkanäle sind beteiligt. 5-HT-Rezeptoren im zentralen und peripheren Nervensystem werden durch Serotonin aktiviert. Die Hauptaufgabe dieser Rezeptoren liegt in der Aktivierung des Brechzentrums.

Da CBDV statt CB1- und CB2-Rezeptoren die zellularen Ionenkanäle (TRP-Kanäle) anspricht,  findet das Phytocannabinoid auch hier ein mögliches Einsatzgebiet.

THC und CBD haben als Cannabinoid-Vertreter übrigens schon ihren Weg in die Chemotherapie gefunden. Weitere Beschwerden der Patienten, die durch eine Chemotherapie auftreten, können durch Cannabinoide gemindert und verbessert werden. Dazu zählen auftretende Schmerzen, Angstzustände, Depressionen und Schlafstörungen. Seitdem Cannabis als Medizin in Deutschland seit März 2017 gesetzlich legal ist, kann eine Kostenübernahme der Medikamente auch von der Krankenkasse beantragt werden.

Auch wenn diverse Cannabinoide große und kleine Erfolge bei Krebs-Therapien aufweisen, stellen sie kein Allheilmittel dar und sollten nur unter ärztlicher Absprache gezielt mit anderen Medikamenten eingenommen werden.

Epilepsie

Ein britisches biopharmazeutisches Unternehmen forscht bereits seit mehreren Jahren mit CBDV, um einen möglichen Einsatz bei Epilepsie-Therapien erzielen zu können. Dieser würde durch das pflanzliche Cannabinoid besonders mit solchen Arzneimitteln in Konkurrenz treten, die bei Patienten mit neurologischen Störungen viele negative, teilweise sogar schwerwiegende Nebenwirkungen mit sich bringen. Da CBDV ein großes Potenzial aufzeigt als eine effektive Behandlungsalternative im Bereich Epilepsie zu fungieren, wurde sogar ein Patent angemeldet. Dieses Patent gilt für den Einsatz des isolierten Phytocannabinoids, alleine, sowie in Kombination mit Antiepileptika, die bereits im Einsatz sind. Die gleichzeitig durchgeführten klinischen Studien sollen eine Therapie-Erleichterung bei Patienten mit epileptischen Anfällen verschaffen und die Kontrolle von generalisierten sowie temporären Lappenanfällen verbessern.

Epilepsie birgt als neurologische Erkrankung eine große Komplexität. Unkontrollierte Wellen elektrischer Aktivität und die synchrone Entladung großer Verbände von Nervenzellen im Gehirn, führen zu den unwillkürlichen Funktionsstörungen, den epileptischen Anfällen — den typischsten Leitsymptomen von Epilepsie-Patienten.

Diese Anfälle dauern in der Regel nur wenige Sekunden bis Minuten und treten spontan auf. Obwohl es bereits viele Medikamente auf dem Markt gibt, die den Betroffenen Linderung verschaffen sollen, erzielen die Arzneimittel bei circa dreißig Prozent der Patienten keine Wirkung.[5] Gründe dafür gibt es mehrere. Viele Patienten vertragen die oft üblichen, starken Nebenwirkungen nicht oder die Anfälle lassen sich schlichtweg nicht eindämmen. Ein weiterer großer Vorteil: CBDV scheint in der Lage zu sein, Krampfanfälle tatsächlich in mehreren Modellen zu unterdrücken. Damit könnte Cannabidivarin auch als Kombi-Präparat mit bereits bestehenden Medikamenten zu Therapiezwecken eingesetzt werden.

Da das pflanzliche Cannabinoid der Cannabis-Pflanze keine psychoaktive Wirkung besitzt, bleiben die erwarteten Nebenwirkungen von CBDV bislang überschaubar.

CBDV und das Immunsystem

Auch fanden Wissenschaftler heraus, dass es CBGV und CBDV gemeinsam möglich ist, bei genau abgestimmten, meist geringen, Konzentrationen Expressionen der Zytokine, also der Wachstums- und Differenzierungsproteinen von Zellen, hemmend zu wirken.[6] Diese Proteine sind für die Postboten unter den Zellen und für die Signalübertragung verantwortlich. Auch die Immunzellen nutzen Zytokine, um auf Gehirn und Hormondrüsen zu wirken.

Eine Blockade von übermäßigen Zytokinen, hilft dem überanstrengten Immunsystem demnach, wieder auf ein natürliches Niveau zu gelangen. Entzündungsreaktionen kommen zum Stoppen und die damit bedingten Schmerzen und entzündlichen Hautschwellungen können sich mindern. CBGV könnte somit vermutlich auch als Arzneimittel in der Immuntherapie eingesetzt werden, um als natürliches Heilmittel ohne schwerwiegende Nebenwirkungen den Körper vor Fehlsteuerungen zu bewahren und dabei zu helfen, schützend gegen entzündliche Botenstoffen zu wirken.

Autismus

Autismus bezeichnet nicht ein konkretes Krankheitsbild. Erste Symptome der komplexen neurologischen Entwicklungsstörung treten bereits im Säuglingsalter auf. Ob CBDV seinen regelmäßigen Einsatz in zukünftigen Autismus-Therapien finden wird, kann noch nicht gesagt werden.

Allerdings weisen erste wissenschaftliche Untersuchungen ein positives Bild auf. In Kombination mit CBD, schienen sich die kognitiven Fähigkeiten der Probanden tatsächlich zu steigern. Auf der sozialen Ebene konnten ebenfalls postitive Auswirkungen beobachtet werden.

Eine Studie mit Kindern, die unter diversen Formen des Autismus leiden, startete im Juni 2017 mit dem Titel „Cannabidivarin (CBDV) vs. Placebo bei Kindern mit Autismus-Spektrumstörung (ASD)“. Das Augenmerk liegt dabei besonders auf der Sicherheit des Wirkstoffs bei gleichzeitiger Untersuchung der Wirkung auf die Reizbarkeit der teilnehmenden Patienten im Kindesalter.[7] Da diese Studie noch nicht abgeschlossen ist, wurden bisland noch keine endgültigen Ergebnisse veröffentlicht.

Nebenwirkung: DNS-Schädigungen

Je bekannter CBDV wird und je mehr Wissenschaftler nach optimalen Einsatzgebieten in der Medizin suchen, desto mehr drängt sich die Frage auf, welche möglichen Nebenwirkungen durch Cannabidivarin beim Patienten / Konsumenten auftreten könnten.

Eine negative Langzeitwirkung taucht in der DNS von Betroffenen auf. Beide untersuchten Cannabinoide, CBDV und CBD, wurden mit positivem Ergebnis auf beschädigte DNS-Eigenschaften in humanen Zelllinien getestet.

CBDV und CBD verursachten nach Erkenntnissen der Wissenschaftler demnach DNS-Schäden in der Leberzelllinie. Die Effekte sind die Folge von Genamplifikationen und dizentrischen Chromosomen.

Leberenzyme können diese genotoxische Wirkung sogar noch verstärken.[8] Im Ergebnis konnte zusammengefasst werden, dass bereits geringe Konzentrationen der beiden pflanzlichen Cannabinoide eine Schädigung des menschlichen Erbmaterials in den Zellen zur Folge haben kann. Andere Untersuchungen zeigten außerdem, dass chromosomale Beschädigungen des Erbguts ein Teil des Prozesses von fortschreitenden, möglicherweise tödlich-endenden Krankheitsverläufen ist. Demnach würden die Phytocannabinoide womöglich gar karzinogene Eigenschaften beim Menschen aufweisen.

CBDV und Endocannabinoide

Eine weitere Besonderheit des Phytocannabinoids liegt in seiner Fähigkeit, sich an der Produktion des körpereigenen Cannabinoids 2-Arachidonylglycerol, kurz 2-AG, zu beteiligen. Das Endocannabinoid findet sich im zentralen Nervensystem in besonders hoher Konzentration. Auch in Rinder- und Muttermilch wurde es bereits gefunden.

Bei Ratten taucht es neben dem Gehirn zusätzlich in Organen wie Niere, Leber, Niere, Milz und Lunge auf.

Im Jahr 1995 hat eine Forschergruppe  rund um den israelischen Hochschullehrer für Chemie und Naturstoffe, Raphael Mechoulam, der „Vater der Cannabinoide“ die Entdeckung von 2-AG erstmals an der Hebräischen Universität von Jerusalem publiziert.

Durch Tierversuchen wurde herausgefunden, dass 2-AG beide Rezeptoren-Typen im Endocannabinoid-System aktivieren kann. Die Wirkungsweisen ähneln denen des populärsten Cannabinoid-Vertreters, dem THC. Je nach Dosierung konnte ein gemindertes Schmerzempfinden und Einschränkungen der Bewegungsmuskulatur beobachtet werden. Auch die Aktivität und Rektaltemperatur wurde durch 2-AG gesenkt. Dank der CB1-Rezeptoren kann das Endocannabinoid das Knochenwachstum stimulieren[9] und neuroprotektive Effekte nach Verletzungen am Gehirn erwirken.

CBDV interagiert mit 2-AG, indem es die Aktivität von dem primären Enzym hemmt, welches für

Synthese von 2-AG verantwortlich ist.

Einen Effekt auf die antikonvulsive, also antiepileptische Wirkung von CBDV entsteht dadurch nicht.


[1] https://www.pharmazeutische-zeitung.de/inhalt-06-2005/titel-06-2005/

[2] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25029033

[3] http://www.reading.ac.uk/psychology/news/pcls-120912.aspx

[4] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23902479

[5] https://www.drugbank.ca/drugs/DB14050

[6] https://patentscope.wipo.int/search/en/detail.jsf?docId=US226135163&tab=NATIONALBIBLIO

[7] https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT03202303

[8] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6342871/

[9] https://www.fasebj.org/doi/10.1096/fj.06-7957com