Inhaltsverzeichnis

  1. Allgemeines
  2. Phytocannabinoide
  3. Endocannabinoide
  4. Endocannabinoide bei Behandlungen und Therapien
  5. Synthetische Cannabinoide
  6. THC und seine Wirkung
  7. CBD und seine Wirkung
  8. THCV und seine Wirkung
  9. CBC und seine Wirkung
  10. THCA und seine Wirkung
  11. CBDA und seine Wirkung
  12. CBCA und seine Wirkung
  13. CBGA und seine Wirkung
  14. Cannabis in der Medizin

Allgemeines

Sogenannte Cannabinoide bezeichnen die Wirkstoffe im Cannabis. Sie kommen vor allem im Harz der weiblichen Hanfpflanze vor. Dort werden sie in Drüsen an der Oberfläche produziert, wobei sich die meisten Harzdrüsen an den Blütenständen finden lassen.

Die Hanfpflanze selbst profitiert von der Abwehrwirkung dieser Phytamine, also der Cannabinoide, gegenüber ihren natürlichen, pflanzenfressenden Feinde. Einige Pflanzen sind durch diverse Cannabinoid-Typen sogar in der Lage, eine antimikrobielle Wirkung zu entfalten, die vor einem möglichem Pilz- und Bakterienbefall schützt.

Auch wenn bereits über 70 Cannabinoide identifiziert werden konnten, bleibt ihre genaue Anzahl bis heute unbekannt. Das liegt auch an dem niedrigen Niveau, auf dem sie vorhanden sind. Entgegen einem weitverbreiteten Irrglauben zufolge, erzeugen die meisten Cannabinoide keine Rauschwirkung. Unter den pflanzlichen Cannabinoiden ist bisher hauptsächlich Tetrahydrocannabinol, kurz THC, als stärkster Wirkstoff der Cannabispflanze, dafür bekannt, den Effekt einer berauschenden Wirkung erzeugen zu können.

Man unterscheidet Cannabinoid-Typen nach ihrem Vorkommen.

Die bereits erwähnten pflanzlichen Cannabinoid-Typen nennt man Phytocannabinoide. 
Körpereigene Typen bezeichnet man als Endocannabinoide und die letzte Gruppe stellen künstlich erzeugte Cannabinoide dar – chemische, also synthetisch hergestellte Cannabinoide.

Phytocannabinoide

Pflanzliche Cannabinoide bezeichnet man in der Fachsprache auch als Phytocannabinoide. Die bekanntesten sind dabei THC und CBD, also Tetrahydrocannabinol und Cannabidiol. Beide Substanzen werden aus der weiblichen Hanfpflanze gewonnen und wirken psychoaktiv.

Delta-9-Tetrahydrocannabinol findet man in der Pflanze vornehmlich als Säure vor, die sich erst durch warme Temperaturen und UV-Licht in THC wandelt. Da in befruchteten und männlichen Hanfpflanzen weniger, bzw. gar kein THC vorkommt, findet die Aufzucht der Cannabinoide in der Regel getrenntgeschlechtig statt.

Auch wenn die Wirkungsweise von THC immer noch nicht vollständig geklärt ist, weiß man bereits, dass sich das Cannabinoid an zwei Rezeptoren der Zellen im zentralen (CB1) und peripheren (CB2) Nervensystem bindet. Zusammen sind sie Bestandteil des Endocannabinoid-Systems. Eine Bezeichnung für körpereigene Botenstoffe, die eine ähnliche Wirkung haben, wie der Konsum von THC. Es reguliert außerdem eine Vielzahl an wichtigen Funktionen im menschlichen Körper. Ihre einzelnen Rezeptoren verteilen sich über Organe, Organismus und unser Gehirn, um beispielsweise für einen intakten Stoffwechsel zu sorgen.

Hat sich THC einmal an die CB1-Rezeptoren gebunden, wird die Signalübertragungen im zentralen Nervensystem an Synapsen beeinflusst und damit die Balance der Neurotransmitter gestört. Die Folge sind Muskelentspannungen, Euphorie und ein gelindertes Schmerzempfinden. Letzteres wird auch bei Schmerzen, ausgelöst durch chronische Krankheiten, beobachtet. Kognitive, psychomotorische und limbische Beeinträchtigungen sind vorübergehend möglich. Das geschieht, weil sich die verantwortlichen Rezeptoren im „Nuclei basales“ befinden, den Kerngebieten des Endhirns unterhalb der menschlichen Großhirnrinde (Cortex cerebri). Die dortigen Nervenzellen bilden den Sitz unseres Bewusstseins und aller kognitiven und motorischen Prozesse.

CB2-Rezeptoren kommen vornehmlich in unserem Immunsystem vor und sind damit entscheidend für die Behandlung von neuronalen Krankheitsbildern mit entzündlichen oder neuropathischen Schmerzsymptomen. 
Andere Typ2-Rezeptoren findet man im Verdauungstrakt, dem Immunsystem und an Knochen, der Lunge sowie unserem größten Organ: der Haut. Sogar Augen und Hormondrüsen besitzen CB2-Rezeptoren.

Neu ist, dass ein internationales Forscherteam inzwischen die molekulare Struktur von CB2-Rezeptoren entschlüsseln konnte. So wissen wir heute, dass CB1- und CB2-Rezeptoren eng zusammenarbeiten. Wird ein Cannabinoid-Rezeptor durch gewissen Wirkstoffe angeregt, wird der andere geschwächt, manchmal sogar vollständig blockiert. Diese Erkenntnis ist besonders für die Medizin und Entwicklung neuer, effektiverer Arzneimittel ein großer Durchbruch.

Endocannabinoide

Das Endocannabinoid-System, kurz ESC, konnten letztlich erst 1992 dank des gewonnenen Wissens der näheren Erforschung von Cannabispflanzen entdeckt, isoliert und schließlich nachgewiesen werden.[1]. Endocannabinoide sind unsere vom Körper selbst produzierten Botenstoffe, sprich körpereigene Substanzen mit Cannabis-ähnlichen Wirkungsweisen im menschlichen Organismus. Man findet sie bei der Regulierung von Nervenzellen des Gehirns und Rückenmarks sowie auf Zellen anderer Organe, wie beispielsweise dem Herz. Ihre Aufgabe besteht auch in der Aufrechterhaltung der Homöostaste.
Endocannabinoide sind ein Teil des endogenen Cannabinoid-Systems, an dessen Rezeptoren THC und auch die im menschlichen Körper erzeugten Endocannabinoide andocken können.

Der Unterschied zu pflanzlichen Cannabinoiden liegt in ihrer Zusammensetzung. Als Teil des menschlichen Nervensystems, vermitteln sie postbotenartig Nachrichten unter unsern Zellen und motivieren sie gezielt zu bestimmten, oft hemmenden und schützenden Reaktionen.

Doch auch wenn die Wissenschaft bereits in der Lage ist zweihundert Endocannbinoide zu benennen und eine Vielzahl an Wirkungsmechanismen bekannt ist, stehen wir immer noch am Anfang der Forschung. Die genauen Wirkungsweisen, Funktionen und Prozesse der Endocannabinoide sind deshalb häufig noch weitestgehend unbekannt.

Endocannabinoide bei Behandlungen und Therapien

In der Medizin finden Endocannabinoide ein breites Anwendungsgebiet. Weil CB1-Rezeptoren allem Anschein nach für das Verlernen traumatischer Erinnerungen und negativer Ereignisse zuständig sind, profitieren besonders Patienten mit Angststörungen von neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen.[2]. Das Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München hat, gemeinsam mit dem Institut für Säugetiergenetik der GSF in Neuherberg im Rahmen einer Studie mit Tierversuchen an genmanipulierten Mäusen, ebendies getestet. Festgestellt wurde, dass ein Vergessen negativer Erinnerungen ohne CB1-Rezeptoren maßgeblich erschwert wird [3]. Auch Appetitlosigkeit, Schlafmangel und physische Schmerzen können Krebspatienten mithilfe von Endocannabinoide behandeln lassen.

Synthetische Cannabinoide

Die synthetischen Cannabinoide sind noch immer eine relativ neue Erscheinung. Da Hersteller ihren Kunden das Produkt als legales Rauschmittel verkaufen möchten, wird der Wirkstoff immer wieder verändert. Die Folge ist eine unkalkulierbare, möglicherweise lebensbedrohliche Wirkung für den Konsumenten.

Ursprünglich nutzten Neurowissenschaftler die Transformationsprodukte, um ihr Wirkspektrum im menschlichen Gehirn zu erforschen und zu verstehen.

Dort binden sie sich an körpereigene Cannabinoid-Rezeptoren — Bindungsstellen, die für den Abbau und die Synthese von Endocannabinoide zuständig sind.

Erstmals wurden synthetische Cannabinoide schon in den siebziger Jahren erforscht. Bis zu ihrer erfolgreichen Entwicklung dauerte es jedoch noch über zwanzig weitere Jahre. Entwickelt wurden sie schließlich Ende der neunziger von einer Forschergruppe rund um den Amerikaner John William Huffman. Es war der Versuch des inzwischen emeritierten Professors für organische Chemie, eine Alternative zu THC zu finden, die in der Humanmedizin, im Speziellen bei Krebspatienten, Anklang finden kann.

Zwei der bekannteren Verbindungen synthetischer Cannabinoide sind AM-1220 und JWH-018, benannt nach dem Entwickler John W. Huffman, aus der Gruppe der Aminoalkylindole, kurz AAIs, die häufiger in Kräutermischungen vorkommen. Die sogenannten „Legal Highs“ gelten als weitverbreitetes und beliebtes Ersatzmittel von Cannabis, wodurch eine mögliche Gefahr ihrer wechselnden Wirkung oftmals unterschätzt wird. Auch der Name ist für Kunden irreführend, da die Herstellung und der Besitz aller psychoaktiven Stoffe in Deutschland in der Regel verboten sind.

Konsumenten berichten von Effekten, die dem des Cannabiskonsums ähnlich sind, jedoch auch eine weitaus stärkere Wirkungen, im Vergleich zum Pflanzenrausch, entstehen kann. Das liegt nicht zuletzt an einer nicht kontrollierbaren Produktion und undurchschaubaren Dosierungen. Durch die breite Variation an Potenz und Struktur der verschiedenen synthetischen Cannabinoide ist es deshalb leicht möglich, eine ungewollte Überdosierung zu schaffen. So hält beispielsweise die Wirkung von JWH-018 in der Regel kürzer an, als bei dem berühmtesten Cannabinoid THC, auch wenn gewollt gleiche Effekte in Folge der Einnahme festgestellt werden konnten. Da es noch keine Langzeitstudien aller Nebenwirkungen der synthetisch-chemischen Verbindung bei regelmäßigem Konsum und Überdosierung gibt, kann man entstehende Langzeitschäden nur vermuten. Mögliche Nebenwirkungen von synthetischen Cannabinoide können Übelkeit und Erbrechen, Herzrasen, Muskelkrämpfe, Bewusstlosigkeit und Angstzustände in Folge von substanzinduzierten Psychosen, psychische Abhängigkeit oder Entzugserscheinung in Form von Depressionen, sowie erhöhtem Blutdruck sein. Es wurden in der Vergangenheit bereits Vergiftungen mit Todesfolge gemeldet, die im direkten Zusammenhang mit Legal Highs stehen sollen, bei denen Inhaltsstoffe nicht immer vollständig angegeben wurden.

Da in synthetischen Cannabinoiden kein Cannabidiol (CBD) enthalten ist und sie zusätzlich eine höhere Bindung an Rezeptoren aufzeigen, empfinden Konsumenten den Rausch oftmals intensiver, als den Rausch mit pflanzlichen Cannabinoiden. Studien lassen tendenziell vermuten, dass somit auch die Gefahr, Psychosen zu erleiden, steigt. Die Folgen sogenannter Horrortrips gehen indess weit über die eigentlichen Nebenwirkungen der synthethischen Cannabinoide als Droge hinaus.

In Deutschland unterstehen einige synthetische Cannabinoide dem BtMG. JWH-018 zählt seit 2009 zu den verkehrsfähigen, nicht verschreibungsfähigen Betäubungsmitteln. Der Grenzwert nicht geringer Mengen liegt hierzulande bei zwei Gramm. In der Schweiz ist es gänzlich illegal. Zum Nachweis des Konsums von JWH-018 kommen Schnelltests zum Einsatz, die Metabolite im Urin erkennen können.

THC und seine Wirkung

THC ist die Abkürzung für Tetrahydrocannabinol, dem wohl bekanntesten Cannabinoid der Phytocannabinoide. Es ist ein farbloses Öl aus der Wirkstoffklasse Antiemetikum und fällt durch seine psychoaktive Wirkung in vielen Ländern unter das Betäubungsmittelgesetz, was den Besitz und Erwerb in Deutschland illegal macht. Eine Ausnahme stellen dabei verschreibungspflichtige Arzneimittel dar. Obwohl THC als Droge nachweislich bereits im Alten Ägypten auftauchte, schaffte man es erst 1964, am Weizmann-Institut für Wissenschaften in Israel, THC in seiner reinen Form zu isolieren.

Den höchsten Prozentgehalt an THC findet man an unbefruchteten Blütenständen der weiblichen Hanfpflanzen. Auch die Blätter in Blütennähe besitzen, wenn auch einen weitaus geringeren, THC-Gehalt.

Da es sich bei THC um ein Phytocannabinoid handelt, dockt es an die beiden Rezeptoren-Typen CB1 und CB2 im Endocannabinoidsystem an. Es wird vermutet, dass diese Rezeptoren eine entscheidende Rolle bei der Aufnahme des Cannabinoids spielen.

Durch Züchtungen der weiblichen Hanfpflanze setzt man gezielt darauf, den THC-Gehalt erheblich zu steigern. Es wird vermutet, dass sich in nur einem Jahrzehnt der THC-Gehalt in Cannabispflanzen verdoppelt hat, um dem steigenden Resistenzempfinden bei Verbrauchern gerecht zu werden. Das erhöht auch die Wirkungsweise und Dauer des Rauschs bei den Konsumenten. THC stimuliert und aktiviert die CB1-Rezeptoren. Bei gesunden Menschen mit intaktem Nervensystem führt diese Veränderung zu einem „chaotischen“ Informationsaustausch. Funktionierende Abläufe der physiologischen Prozesse und normale Körperfunktionen werden aus dem Konzept gebracht. Diese Bewusstseinsänderung unserer Wahrnehmung löst das „High-Gefühl“ aus. Weitere Folgen nach dem Cannabis-Konsum können Müdigkeit und Lethargie sein. Weil sich unsere Endocannabinoid-Rezeptoren auch auf unseren Speicheldrüsen befinden, wird die Speichelproduktion gestört. So lässt sich erklären, weshalb man nach dem Rauchen von Cannabis häufig unter einem trockenen Mund leidet.

Rote Augen sind ein weiterer Effekt. Sie entstehen durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren. THC kann für den Abfall des Blutdrucks sorgen, sodass sich Blutgefäße öffnen. Eine gesenkte Produktion von Tränenflüssigkeit bringt das natürliche Gleichgewicht unseres Tränenfilms aus der Bahn. Die Folge sind rötliche Augen.

Bereits während dem, wenige Stunden anhaltenden, Rauschzustand beginnt bereits der Abbau des konsumierten THC. Abgebaut wird das Phytocannabinoid in der Lunge und Leber, bis es vollständig über den Stuhl und Urin ausgeschieden wird.

Weil der menschliche Körper Cannabinoide eher langsam abbaut, kann der Konsum von Cannabis bei einem regelmäßigen Konsum noch vier Wochen später im Urin nachgewiesen werden, da sich das THC am Fettgewebe anreichert und nur sukzessive an den Blutkreislauf freigegeben wird. Ein australisches Forscherteam hat außerdem herausgefunden, dass die Konzentration des THC-Wertes im Blut nicht immer auf einen kleinen Restwert unter 3 Nanogramm/ml sinkt. Einige Probanden zeigten im Laufe der Studie noch eine Woche nach dem Konsum einen höheren Wert. Studienteilnehmer, die regelmäßig Cannabis konsumierten, zeigten außerdem einen unregelmäßigen Ab- und Anstieg der Konzentration im Blut. Das bedeutet, dass es möglich ist, an einem Tag einen negativen Bluttest abzugeben und ohne erneuten Konsum bereits wenige Tage später durch plötzlich angestiegenen THC-Gehalt eine positive Werte durch die Blutprobe zu erhalten.

Auch sportliche Aktivitäten und Diäten haben einen Einfluss auf den THC-Gehalt im Blut. Durch einen angeregten Stoffwechsel, schafft es das THC sich schneller aus dem Fettgewebe freizusetzen und so schneller in den Blutkreislauf zu gelangen.

CBD und seine Wirkung

Genau wie THC, gehört auch Cannabidiol, kurz CBD, zu den psychoaktiven Phytocannabinoiden der weiblichen Hanfpflanze. Es kommt überwiegend als Säure vor und wurde in den vierziger Jahren erstmals entdeckt. Isolieren konnte es erst 1963 der israelische Hochschullehrer Raphael Mechoulam, um es als Molekül mit therapeutischem Effekt ohne nennenswerte psychoaktive Wirkung zu betiteln.

Heute gewinnt man CBD als Nutzhanf, bevor man den Wirkstoff durch industrielle Erhitzung extrahiert.

Der Cannabis-Wirkstoff hat aufgrund der fast nicht vorhandenen psychoaktiven Wirkung, einen anderen Status und besseren Ruf als sein enger Verwandter THC. Es ist weder auf der Liste für Drogen- und Verbrechensbekämpfung ( UNODC) der Vereinten Nationen aufgelistet, noch ist es hierzulande illegal.

Mit EU-weiter Zulassung wird CBD als „neuartiges Lebensmittel“ häufig bei der Zusammenstellung von Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt.

Erst ab einem THC-Gehalt von über zwei Prozent darf CBD nicht mehr frei verkauft werden.

CBD setzt sich nach der Einnahme zwar ebenfalls an Rezeptoren im Nervensystem, entwickelt dort jedoch beinahe die entgegengesetzte Wirkung wie THC. CBD zeigt hemmende und abblockende Effekte, die letztlich den Hunger zügeln, sedierend wirken und den Blutdruck senken.

Weil CBD auch für die Blockierung einer weiteren Rezeptorenaufnahme von THC verantwortlich gemacht wird, die Wirkung des Rausches also mindert oder ganz blockiert, werden Cannabispflanzen mit immer geringerem CBD-Anteil gezüchtet.

Aufgenommen wird CBD heute hauptsächlich oral in Öl- oder Pastenform. Durch die Mundschleimhäute wird der Wirkstoff aufgenommen und dockt direkt an den Rezeptoren im Gehirn an. Bei Einsatz von Kapseln über die Magenschleimhaut verzögert sich der Einsatz der Wirkung.

Inzwischen weiß man durch klinische Studien auch, dass CBD-Öl die Anfallshäufigkeit von therapieresistenten Epilepsiepatienten reduzieren kann und deshalb vermehrt auch bei Kindern und Jugendlichen eingesetzt wird.

Studien weisen darauf hin, dass CBD eventuell Lernleistungen steigern, angstlösend und antipsychotisch wirken könnte. Nebenwirkungen können von Schwindel, Müdigkeit, Appetitmangel, erhöhten Transaminasenwerte bis zu Durchfall variieren.

THCV und seine Wirkung

Durch den ähnlichen Namen wird Tetrahydrocannabivarin, kurz THCV, häufig mit THC verwechselt oder gar gleichgesetzt. Als Phytocannabinoid wird THCV ebenfalls aus der Cannabispflanze gewonnen, unterscheidet sich jedoch in seiner Wirkungsweise deutlich von THC.

Auch THCV dockt an CB1 und CB2 Cannabinoid-Rezeptoren im Endocannabinoid-System an. Es scheint eine aktivierende Wirkung auf CB1-Rezeptoren auszuführen, wodurch der Rauschzustand energetischer wirkt. Eine Veränderung von Appetit kann, trotz eines kurzzeitigen Anstiegs des Energieverbrauchs, nicht festgestellt werden.

Deshalb könnten besonders Patienten mit Typ-1-Diabetes von dem psychoaktiven Wirkstoff profitieren. Allem Anschein nach wird zusätzlich der Fettaufbau innerhalb der Leber gesenkt und der Glukosestoffwechsel verändert, die diabetestypische und für das Krankheitsbild wichtige Glukoseintoleranz könnte so reduziert werden.

CBC und seine Wirkung

Das zweithäufigste Vorkommen im Cannabis stellt das Cannabinoid Cannabichromen, kurz CBC. Im Gegensatz zu THC ist es jedoch nicht psychoaktiv und weist dadurch andere Wirkungen auf. Ein Andocken an die bekannten CB1- und CB2-Rezeptoren ist noch nicht bewiesen worden. Es wird vermutet, dass seine Hauptaufgabe in der Unterstützung anderer Cannabinoide liegt. So kann CBC THC im Einsatz bei Schmerz- und Angsttherapien bekräftigen.

THCA und seine Wirkung

9-Tetrahydrocannabinolsäure, kurz THCA, ist ein nicht psychoaktives Cannabinoid und dafür verantwortlich, dass man Cannabisblüten erst trocknen und in der nicht-medizinischen Anwendung rauchen muss, um einen Rausch zu hervorzurufen. Dadurch wandelt es sich mit chemischer Reaktion in das psychotrope und bekannte THC. Man verwendet also Hitze, um THC in THC zu transformieren. Also medizinische Behandlung wurde THCA bereits bei neurodegenerativen Erkrankungen, wie beispielsweise Parkinson, eingesetzt.

CBDA und seine Wirkung

Wie auch CBD ist CBDA, also Cannabidiolsäure, ein Cannabinoid der Cannabispflanze. Es kann als Vorstufe des CBD verstanden werden, da CBDA in rohem Pflanzenmaterial auftaucht. Mittels Decarboxylierungs-Prozess, entweder durch lange Lagerung und Trockenzeit der Pflanzen oder durch Hitze, entsteht schließlich CBD. Auch CBDA hat keine psychoaktive Wirkung, ist also nicht psychotrop und kann bei Verbrauchern kein Rauschzustand mit Bewusstseinsänderungen hervorrufen.

CBCA und seine Wirkung

Wie auch CBDA, Cannabichromensäure A, wandelt sich das saure Cannabinoid CBCA durch Trocknung oder Erhitzung in ein nicht saures, nicht psychoaktives Cannabinoid um — CBC. Dies geschieht durch die pflanzeneigenen Enzyme während der Reifephase.

CBGA und seine Wirkung

Studien mit Cannabinerolsäure, kurz CBGVA, weisen auf eine mögliche Einzelwirkung bei therapeutischem Gebrauch hin. Da jedoch auch hier die
Cannabinoid-Forschung noch nicht genügend Daten sammeln konnte, lässt sich die Vermutung bislang nicht eindeutig beweisen.

Cannabis in der Medizin

In Deutschland gibt es das Gesetz „Cannabis als Medizin“, das im Jahr 2017 in Kraft getreten ist[4]. Dies wurde im Bundestag einstimmig beschlossen und soll die Palliativversorgung von Patienten verbessern und neue wissenschaftliche Erkenntnisse liefern. Ärzte nun befugt, Cannabis in kontrollierter Qualität als Arzneimittel zu verschreiben. Das geschieht vor allem bei chronischen Krankheiten und der Schmerztherapie. Da diese neuen Therapieformen immer noch in den Kinderschuhen stecken, sammeln behandelnde Ärzte Informationen der Patientendaten, die zur stetigen Fortentwicklung anonymisiert an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte überliefert werden.

2019 startete in Deutschland der eigene Anbau von medizinischem Cannabis, sogenanntem Medizinalhanf, um nicht länger auf Importware zurückgreifen zu müssen und die nötige Versorgung von schwerkranken Patienten besser gewährleisten zu können.

Es gibt eine Reihe von Anwendungsgebieten für neue Arzneimittel auf THC-Basis, dennoch liegt die Verschreibung weiterhin allein im Ermessen des behandelnden Arztes. 
Bei Krebspatienten, die durch ihre Chemotherapie und den zugehörigen Medikamenten unter Symptomen wie chronischer Übelkeit leiden, zeigt Cannabis häufig eine Brechreiz- und Übelkeitsstillende Wirkung auf. Auch hier werden entsprechende Rezeptoren im Endocannabinoid-System angesprochen, die bei der Unterstützung einer antiemetischen Therapie behilflich sind. Weitere positive Effekte sind bei diesen Patienten, dass der Appetit wieder angeregt wird und so ein Muskelabbau und gravierende Gewichtsabnahmen gestoppt werden können.

Das Symptom Übelkeit taucht bei einer Reihe von schwerwiegenden Krankheiten auf, was der Cannabis-Medizin ein breitgefächertes Anwendungsgebiet stellt.

Bei jedem Fall sind es die Rezeptorstellen, die sich in unserem gesamten Körper auf Zellen verteilen und aktiv Informationen austauschen. Manipuliert man diese, balancieren sich Übelkeitsgefühle neu. Dieser Effekt konnte auch bereits bei Tieren festgestellt werden. So sind bei Mensch und Tier vermutlich CB1-Rezeptoren für die Unterdrückung des Reflex-Symptoms Erbrechens verantwortlich.

Ob gewisse Inhaltsstoffe der Cannabispflanze bei Tumorpatienten womöglich nicht nur symptomatisch, sondern gar therapeutisch wirken, ist trotz Datenerhebungen aus klinischen Forschungen noch nicht abschließend geklärt.

[1] https://www.pharmazeutische-zeitung.de/inhalt-06-2005/titel-06-2005/

[2] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28818702

[3] https://www.cannabis-med.org/german/bulletin/ww_de_db_cannabis_artikel.php?id=130

[4] https://www.bundesgesundheitsministerium.de/ministerium/meldungen/2017/januar/cannabis-als-medizin.html