1. Allgemeines
  2. CBC und seine Wirkung
  3. CBC in der Medizin
  4. Darmerkrankungen
  5. Antibiotische Wirkung
  6. Krebs
  7. Analgetische Wirkung
  8. Entzündungshemmende Wirkung
  9. CBC im Gehirn
  10. CBC-Gehalt in Cannabis

Allgemeines

Auch Cannabichromen, kurz CBC, ist eines der über einhundert bereits identifizierten Phytocannabinoide der Cannabis-Pflanze und besitzt, wie seine meisten Verwandten, keine psychoaktive Wirkung. Obwohl es eines der vier großen Cannabinoide in Cannabis sativa darstellt, findet sich sein Gehalt im indischen Hanf, dem Cannabis indica, in höherer Konzentration vor, als in Cannabis sativa.

Wie es für Phytocannabinoide üblich ist, beschränkt sich seine Wirkung nicht nur auf ein Einsatzgebiet. Obwohl CBC alleine keinen schmerzstillenden Effek erzeugen kann, ist es ein super Teamplayer, wenn es in einer Mannschaft mit THC spielt. Es unterstützt die schmerzlindernde Wirkung des populären Cannabinoids und erzeugt beim Konsumenten eine entspannende, beruhigende und sogar antidepressive Wirkung.

Entstehen kann CBC, weil es sich mittels Enzymen aus seinem Vorgänger Cannabigerol (CBG), wandelt. Durch Lichteinwirkung wandelt sich Cannabichromen zu dem Abbauprodukt CBL (Cannabicyclol) weiter.

CBC hat die Summenformel C21H30O2 und trägt die CAS-Nummer 20675-51-8.

CBC und seine Wirkung

Obwohl man dem CBC selbst keine direkte Wirkung für schmerzlindernde Effekte nachweisen kann, zeichnet sich das Cannabinoid durch ein anderes Merkmal aus: seine umfassenden pharmakologischen Eigenschaften.

Anfang der achtziger Jahre haben Wissenschaftler das Cannabinoid und seine Stoffe auf eine mögliche entzündungshemmende sowie antibakterielle Wirkung getestet. Die entzündungshemmenden Effekte wurde unter anderem mit der Erythrozytenmembran-Stabilisierungs-Methode untersucht und zeigte, dass CBC gewissen herkömlichen Präparaten wie beispielsweise Phenylbutazon überlegen ist.[1]

Phenylbutazon stellt bereits seit den frühen Fünfziger Jahren ein Arzneimittel aus der Gruppe von ‚nichtsteroidalen Antirheumatika mit analgetischer, antiphlogistischer und antipyretischer Wirkung‘, kurz NSAR.Ursprünglich wollte man das Pyrazolidindion-Derivat nur dann als Arzneimittel verschreiben und ausgeben, wenn Patienten gegenüber anderen Behandlung und Medikamenten eine gewisse Therapieresistenz zeigen.

Heute können Patienten Phenylbutazon von ihrem Arzt  verschrieben bekommen, wenn sie unter Rheuma, also entzündlich-rheumatischen Erkrankungen leiden. Zu dieser heterogenen Gruppe mit einem häufig chronischen Krankheitsverlauf des Immunsystems, gehören Symptome wie einfache bis schwere Gelenkschmerzen und eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten, die bis zu irreversiblen Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit und schließlich pflegebedürftigen Behinderungen führen können. In Deutschland erkranken schätzungsweise zwei Prozent der Erwachsenen Bevölkerung an dem entzündlich-rheumatischen Leiden.
Obwohl die Zahl der Erkrankten gering erscheint, belaufen sich die Behandlungskosten in Milliardenhöhe. Der Grund dafür findet sich vor Allem in den kostspieligen Medikamenten, die für eine wirksame Therapie eingesetzt werden müssen.[2]

Dass sich die Herstellungskosten von medizinischen Cannabis-Medikamenten in einem weitaus niedrigeren Preisrahmen befinden, ist bereits weithin bekannt. Weil der Import und Vertrieb von pharmazeutischem Cannabis in Deutschland noch dazu seit 2017 legal ist und pharmazeutische Start-up-Unternehmen bereits eigene biosynthetische Verfahren zur Produktion entwickelt haben, erwarten Firmengründer, dass die Herstellungskosten weiter auf ein Tausendstel sinken werden.

Dass CBC außerdem eine antimykotische und antibakterelle Wirkung besitzt, wurde unter anderem mit der Hilfe von säurefesten Bakterien und flamentös wachsenden Pilzen untersucht. Während das Ergebnis eine starke antibakterielle Wirkung bestätigte, fiel die antimykotische Aktivität eher gering bis durchschnittlich aus. Gegen Pilzinfektionen kann CBC antibiotisch wirken und als Antibiotikum gegen Bakterien eingesetzt werden, die bei herkömmlichen Antibiotika durch steigende Resistenzbildung, keinerlei Wirkung mehr zeigen.

Nachdem Studien eine antidepressive Wirkung bei einer Vielzahl von Phytocannabinoiden nachgewiesen hat und auch bereits eine Interaktion zwischen Antidepressivum-Arzneimitteln und unserem Endocannabinoid-System verzeichnet werden konnte, haben neue Untersuchungen die Aktivität der antidepressiven Wirkung unter anderem von CBC beobachtet. In Tierversuchen mit Mäusen hat man zunächst die optimale Dosis bestimmt, die neurologische Störungen ausschließen sollten. Während die Cannabinoide CBC und CBN keine signifikante antidepressive Wirkung aufzeigten, reihte sich CBC mit CBD und THC auf. Alle drei Phytocannabinoide zeigten wirkende Effekte. Bei CBC  beobachtete man diese bei 20 mg pro kg.[3]

Weitere Tiertests bestätigten diese Observierung und bestätigten zusätzlich eine antidepressive Wirkung in stressvollen Situationen. Auch das deutliche Entgegenwirken bei Immobilität konnte durch die dosisabhängige Einnahme von CBC erkannt werden. Damit zählt Cannabichromen zu den antidepressiv-wirkenden Cannabinoiden der Cannabis-Pflanze und ist mitverantwortlich für eine stimmungsaufhellende Eigenschaft der Cannabis-Pflanze, ohne psychoaktiv für den Konsumenten zu wirken.

Noch eine Gemeinsamkeit mit THC teilt sich CBC bei einem Prozess der Neurogenese. CBC besitzt die Eigenschaft, die Entwicklung von Zellen im Gehirn zu erhöhen und sie gleichzeitig in ihrer Lebensfähigkeit zu stärken.

Was man übrigens noch nicht weiß, ist, ob CBC allein überhaupt eine (und wenn ja welche) Wirkung auf die Rezeptoren im Endocannabinoid-System zeigen kann. Da es bisher scheint, als würde sich CBC gänzlich davor sträuben, ECS-Rezeptoren aktivieren zu wollen, fällt es dem Cannabinoid so leicht, die Wirkung von THC oder auch CBD im gesamten Körper zu unterstützen.

CBC in der Medizin

Weil ein Andocken von CBC an die bekannten CB1- und CB2-Rezeptoren noch nicht bewiesen werden konnte, wird vermutet, dass seine Hauptaufgabe in der Unterstützung anderer Cannabinoide liegt. So kann CBC zum Beispiel THC im Einsatz bei Schmerz- und Angsttherapien bekräftigen.

In typischer Cannabinoid-Manier erweist sich CBC als kleines, wenn auch noch weitgehend unbekanntes, Allround-Talent. Seine Wirksamkeit auf verschiedenen Anwendungsgebieten wurde durch Untersuchungen bereits bei Verdauungsproblemen, Reizdarmleiden und andere chronisch-entzündliche Reizdarmerkrankungen festgestellt werden. Auch bei postoperativen Schmerzzuständen oder nervliche Leiden, bei denen es zu Störungen im vegetativen Nervensystem kommt, konnten durch CBC bereits gelindert werden.

Darmerkrankungen

Dass Cannabis gewisse Aktivitäten bei Entzündungen im Darm in Gang bringt, wurde bereits seit langem vermutet, da es viele überschneidende Verhaltensmuster von Endocannabinoiden und Phytocannabinoiden nach dem Andocken an die CB1- und CB2-Rezeptoren im ECS gibt.

Wissenschaftlich beweisen konnte diesen positiven Einfluss eine Studie aus dem Jahr 2018. Forscher der Medical School University of Massachusetts und der Universität von Bath haben demnach herausgefunden, dass Cannabis einem körpereigenen Botenstoff in seiner Wirkung erheblich nahesteht, der für die Kontrolle von Entzündungen im Darmtrakt verantwortlich ist.[4] Der natürliche Prozess dahinter funktioniert in zwei großen Schritten wie folgt: Die regulierenden Prozesse befinden sich kontinuierlich in Arbeit und reagieren sofort, wenn sich die Bedingungen im Darm verändern.

Im ersten Schritt werden Krankheitserreger zerstört. Das ist Teil der natürlichen Immunabwehr des Darms. Der Prozess ist jedoch auch in der Lage die Darmschleimhaut zu beschädigen, sollten ihn Immunzellen unkontrolliert angreifen. Da sich circa achtzig Prozent der menschlichen Immunzellen im Darm befinden, gerät die Immunabwehr leicht in Alarmbereitschaft und versucht durch regulierende Prozesse, den Darm von eintreffenden Keimen zu befreien.

Der zweite Schritt umfasst die Entzündungsreaktion, welche durch mehrere Moleküle ausgeschaltet werden kann. Diese Moleküle werden über die Zellen des Epithels, der oberen Zellschicht der Haut- und Schleimgewebe, transportiert. Diese Zellen finden sich im gesamten Darm wieder. Neu für die Wissenschaftler war jedoch die Erkenntnis, dass dieser Vorgang nur durch das körpereigene produzierte Molekül namens Endocannabinoid möglich ist.

Dieser biologische Botenstoff ist es also, der den Molekülen von Cannabis in seiner Art ähnelt. Hat der Körper zu wenig Zugriff auf eine ausreichende Menge an Endocannabinoiden, also den körpereigenen Cannabinoiden, kann sich die Entzündungsreaktion nicht ordentlich ausbalancieren, fällt aus dem Gleichgewicht und verläuft unkontrolliert weiter. Nimmt der Körper jedoch zusätzlich Phytocannabinoide aus der Cannabis-Pflanze ein, wäre es laut Forschern möglich, dem Körper bei Entzündungen im Darm behilflich zu sein. Diese Phytocannabinoide würden in dem Falle also die Arbeit der Endocannabinoide übernehmen, die dem Körper für den umfangreichen Prozess der Heilung fehlen.

Obwohl dem amerikanischen Forscherteam diese Erkenntnis aus ihrer Studie ein klareres Bild über die Wirkung der Phytocannabinoide bringt, stehen wissenschaftliche Untersuchungen beim Menschen, mit fundierten Ergebnissen, noch aus.

Antibiotische Wirkung

Bei vielen Molekülen der Cannabis-Pflanze wurde schon vor längerem festgestellt, dass sie als wirkungsvolles Arzneimittel gegen hochresistente Bakterien eingesetzt werden können. Diese multiresistenten Keime, auch sogenannte Superbugs, tauchen vermehrt in Krankenhäusern und Seniorenhäusern auf und könnten laut einer OECD-Analyse bis zum Jahr 2050 über 2,4 Millionen Menschen weltweit das Leben kosten. Eine Behandlung ist schwer, da die Keime nach dem Kontakt mit Antibiotika ihr Erbgut verändern können. Die geschätzten Behandlungskosten befinden sich in Milliardenhöhe und belaufen sich beim Kampf gegen die resistenten Keime demnach auf zehn Prozent des gesamten Budgets bei Behandlungen von ansteckenden Erkrankungen.

Wissenschaftler der School of Pharmacy in London, der Universitzt del Piemonte Orientale in der italienischen Stadt und gleichnamiger Provinz Novara und Forscher der landwirtschaftlichen Versuchsanstalt Cra-Cin aus Rovigo haben in mehreren Laboruntersuchungen herausgefunden, dass Phytocannabinoide gegen ebendiese hyperresistenten Superbugs effektive Wirkungen zeigen. Dabei wurden die Cannabinoide Tetrahydrocannabinol (THC), Cannabigerol (CBG), Cannabidiol (CBD), Cannabinol (CBN) und Cannabichromen, also CBC, als besonders wirksam eingestuft.[5]
Bei Bakterien, die eine Resistenz gegenüber dem Antibiotikum Penicillin aufweisen, zeigten die Cannabinoide die größten Erfolge.

Obwohl auch diese Studie erfolgversprechende Aussichten im Kampf gegen die gefährlichen Krankheitserreger liefert, befindet sich der aktuelle Forschungsstand weiterhin in seinen Kinderschuhen. Momentan ist es auch noch ungewiss, auf welche Weise CBC und seine verwandten Cannabinoide die Keime tatsächlich abtöten.

Krebs

In einer im Jahr 2014 veröffentlichten Studie zum Thema ‚Cannabinoide als Therapeutika bei Krebs‘ untersuchten Wissenschaftler die pharmakologische Bedeutung der Wirkstoffe von Cannabinoiden bei Krebserkrankungen.[6] Dabei konnte festgestellt werden, dass sie bei organischen Vorgängen außerhalb lebender Organismen, sowie im lebenden Organismus Wirkung zeigen. Bei verschiedenen Arten von Krebs konnte eine anti-proliferative Wirkung beobachtet werden. Das bedeutet, dass Cannabinoide einen wachstumshemmenden Effekt von Zellen und Geweben bewirken können.

Noch dazu scheinen sie eine antiangiogene Wirkung zu besitzen, sie sind also in der Lage, die Gefäßbildung bei beispielsweise Tumorerkrankungen zu unterbinden. Hauptsächlich wirken die pflanzlichen Cannabinoide dabei über die beiden Rezeptoren-Typen im Endocannabinoid-System, doch auch CBC spielt mit seiner rezeptunabhängigen funktionellen Eigenschaft eine große Rolle.

Denn während einer Chemotherapie kämpfen betroffene Patienten nicht nur mit der bösartigen Erkrankung selbst, sondern auch mit Symptomen wie allgemeines schmerzliches Befinden, Übelkeit bis Erbrechen oder Appetitlosigkeit.

In diesen Fällen zeigt THC Potenzial zur Verbesserung des allgemeinen Gemütszustands. Die Rezeptoren, die als Andockstelle für THC gelten, befinden sich hauptsächlich im Frontalhirn und dem limbischen System. Dort werden, unter anderem, Emotionen verarbeitet und das Schmerzempfinden bewertet. Wissenschaftliche Tests zeigten, dass THC selbst zwar keinen schmerzstillenden Effekt aufweisen kann, manchen Patienten aber dabei behilflich ist, den Schmerz als weniger störend zu empfinden.

Nicht nur dabei kann CBC das populäre Cannabinoid unterstützen und seine Wirkungsweise steigern und THC effektiv den Rücken stärken. CBC kann außerdem bei den Arbeiten für die Schmerzlinderung kräftig mit anpacken. Als loyaler Teamplayer ist ein gesenktes Schmerzempfinden am größten, wenn CBC in Kombination mit THC verwendet wird. Wie sein Bruder CBD, kann CBC nachweislich auch bei chronischen Schmerzen sein volles Potenzial unter Beweis stellen.[7]

Ob Cannabichromen in der Lage ist, Krebstumore gänzlich zu hemmen, indem es mit dem körpereigenen Endocannabinoid Anandamid interagiert, oder sogar für die Stimulation von Knochenwachstum verantwortlich gemacht werden kann, wird nach ersten Hinweisen in diversen Studien derzeit noch untersucht.

Analgetische Wirkung

Die analgetische Wirkung von Cannabinoiden wie CBC, spielt beim Einsatz von medizinischem Cannabis bei vielen Krankheitsbildern eine wichtige Rolle. Auffallend ist dabei, dass eine Reihe der Cannabinoide mit schmerzstillenden Eigenschaften keine signifikante Beziehung zu CB1- und CB2-Rezeptoren im Endocannabinoid-System zeigen. Leider ist auch dieses Forschungsgebiet noch weitgehend neu, obwohl die Aussichten für neue Behandlungsformen in der Schmerz- und Palliativmedizin gut aussehen.

Während die meisten Studien sich bisher auf das Schmerzmanagement der bekannteren Cannabinoide wie THC oder CBD konzentriert haben, rückt auch CBC hier und da immer mal wieder ins Licht. In Kanada sind diverse Cannabinoide zur Behandlung neuropathischer, schmerzlicher Beschwerden, wie beispielsweise Multiple Sklerose, sogar schon seit dem Jahr 2005 zugelassen.

Untersuchungen haben gezeigt, dass CBC auf die Wirbelsäule einwirken und so die Wahrnehmung von Schmerz positiv regulieren kann. Dieser Effekt kann erhöht werden, wenn es in Kombination mit CBD eingenommen wird.

Entzündungshemmende Wirkung

Es gibt Studien mit Mäusen die zeigen, dass CBC die Eigenschaft in sich trägt. Schwellungen und Entzündungserscheinungen im Verdauungstrakt zu mindern.[8] Auch für diese Arbeit dockt es nicht an Cannabinoid-Rezeptoren im ECS an. Gemeinsam mit THC wurde CBC auf entzündungshemmende Eigenschaften getestet. Dafür untersuchten die Wissenschaftler beide Cannabinoide getrennt voneinander, sowie in Kombination miteinander. CBC wies diverse Aktivitäten auf, ohne die Wirkung über ECS-Rezeptoren vermitteln zu müssen. In Kombination mit THC tauschten die beiden Cannabinoide ausnahmsweise einmal ihre Rollen und THC war es, das mit einer erhöhter THC-Hirnkonzentration CBC in seiner Wirkung unterstützte.

Während es einen CB2-Rezeptor gibt, welcher die natürliche antiödematöse Wirkung von THC blockiert,  kann sich CBC an diesem vorbeimogeln. Die beiden Cannabinoide können entzündungshemmende Effekte also am besten gemeinsam erwirken.

CBC im Gehirn

Neben all diesen positiven Eigenschaften auf die Gesundheit des Körpers, hält CBC die größte Überraschung jedoch noch in Petto.

Bislang war die Rolle von Cannabinoiden bei der Neurogenese von erwachsenen Menschen mit ausgewachsenem Gehirn häufig ein umstrittenes Thema. Eine Studie, die im Jahr 2015 veröffentlicht wurde, widmet sich mit dem Titel‚ Die Rolle von Cannabinoiden bei der Neurogenese bei Erwachsenen‘ eben diesem Thema. Weil den Verbindungen von Phytocannabinoiden, aber auch Endocannabinoiden und sogar synthetischen Cannabinoiden eine stetig größere Rolle bei neuronalen Entwicklungsprozessen zugesprochen wird, haben Forscher schließlich feststellen können, dass Cannabinoide tatsächlich eine modulatorische Aufgabe bei der Erwachsenen-Neurogenese übernehmen können, in dem sie die beiden Rezeptoren-Typen des Endocannabinoid-System aktivieren.

Welche Rolle spielt also CBC bei der Neurogenese, wenn es doch dafür bekannt ist, CB1- und CB2-Rezeptoren im großen Bogen zu meiden?

Dafür haben Wissenschaftler in Tierversuchen einen genauen Blick auf Adenosin geworfen. Adenosin ist eine vom Körper eigens produzierte chemische Verbindung und Teil des Neuromodulators. Das heißt, Adenosin ist maßgeblich daran beteiligt, Einfluss auf die Arbeitsweise des Nervensystems auszuüben. Dabei reguliert es Wachstumsfaktoren und IL-1-Rezeptoren. Dabei wurde beobachtet, dass nicht das bekannte Cannabinoid THC im Rampenlicht steht, sondern Cannabichromen. CBC ist demnach maßgeblich für das Überleben von Zellen verantwortlich.[9] Auch die Förderung von Wachstum neuer Nervenzellen wird dem Cannabinoid zugesprochen. Diese Gehirnzellen befinden sich dabei am inneren Rand des Temporallappens, genauer gesagt im Hippocampus – der Schaltzentrale des limbischen Systems.

CBC scheint zwischen neuronalen Zellen vermitteln zu können.

Erste Hinweise deuten darauf hin, dass es Cannabinoiden bei der Neurogenese sogar möglich ist, auf das aktinbindene Protein „Fascin“ zu zielen. Fascin hat die Aufgabe, Protein-Strukturen zu stabilisieren und diesen beim mechanischen Widerstand, sowie beim Netzwerkbau durch Verzweigungen, Unterstützung zu leisten.

Ebenfalls haben Studien bereits eine wachstumsfördernden Wirkung von Nervengewebe durch CBC wissenschaftlich, jedoch noch nicht abschließend, untersucht. Manche Forscher glauben, dass das Phytocannabinoid die Eigenschaft besitzen könnte, eine Degeneration der Nervenzellen im Gehirn beeinflussen oder sogar stoppen könnte. Diese Wirkung wird auch noch bei weiteren Cannabinoiden vermutet.

CBC-Gehalt in Cannabis

Einen hohen Cannabichromen-Gehalt konnte bei Forschungen  vor Allem in Landrassesorten aus Zentralasien und dem indischen Subkontinent gefunden werden. Dazu zählen Nord-Indien, Nepal oder auch Tibet.

Tatsächlich übersteigt der CBC-Gehalt in Cannabis indica-Pflanzen zumeist sogar das natürliche CBD-Vorkommen. Da sich CBC durch Licht und Wärme in das Cannabinoid Cannabicyclol, kurz CBL, wandelt, tragen Jungpflanzen ebenfalls einen höheren CBC-Gehalt in sich.

Bei Cannabis-Pflanzen, die mit der gezielten Absicht gezüchtet werden, nach der Ernte einen möglichst hohen THC- oder CBD-Gehalt zu besitzen, fällt der Anteil von CBC dementsprechend gering aus.

[1] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/7298870

[2] https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsT/rheumatische_erkr.pdf?__blob=publicationFile

[3] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20332000

[4] https://www.umassmed.edu/news/news-archives/2018/08/umass-medical-school-researchers-explain-why-cannabis-may-relieve-intestinal-inflammation/

[5] https://www.worldcat.org/title/cannabis-health-index-combining-the-science-of-medical-marijuana-with-mindfulness-techniques-to-heal-100-chronic-symptoms-and-diseases/

[6] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4171598/

[7] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20942863

[8] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20619971

[9] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4543605/